Wie Silicon Valley Unsere Zukunft Bestimmt
Was bis vor wenigen Jahren noch Science Fiction war, wird längst Realität: Das 2016 unter anderem von Elon Musk gegründete Unternehmen Neuralink arbeitet an einer Methode, das Gehirn dank haarfeiner Drähte mit einem Reckoner zu verbinden. An der Entwicklung von Kontaktlinsen, die ihren Träger mit Informationen versorgen, wird ebenfalls längst geforscht. Aber wo gegeben wird, wird stets auch genommen. Schon heute sind die Segnungen der Technologie nicht gratis: Wir zahlen mit der Preisgabe von Informationen, mit denen die Algorithmen der Unternehmen gefüttert werden, um uns zum Beispiel gezielt mit Werbung zu versorgen. Auf diese Weise werden Bedürfnisse geweckt, von deren Existenz wir bislang gar nichts ahnten; und das ist noch eine der harmloseren Folgen, wie der Sturm der wütenden Trump-Anhänger aufs Kapitol in Washington im Januar 2021 gezeigt hat.
All' das bereitet Claus Kleber große Sorge, weshalb sein Kommentar zu "Utopia" ungewohnt appellativ ausfällt: Es wäre "verheerend", diese Entwicklung einfach über sich ergehen zu lassen und unsere Zukunft in dice Hände der Tech-Konzerne zu legen. Realität, sagt der im Rahmen des Grimme-Preises bereits 2009 für seine Verdienste geehrte Journalist, würde dann "zur Ansichtssache" und nach Belieben manipulierbar. Zwar waren weder Musk noch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum Gespräch bereit, aber dafür zum Beispiel neben Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der European union-Kommission und Ressortchefin für Digitale Zukunft, unter anderem auch Jaron Lanier, Pionier der Virtuellen Realität und im Silicon Valley als Vordenker und Guru verehrt. Der Informatiker warnt eindringlich vor Zuckerberg: "Facebook nutzt psychologische Tricks, um das Verhalten von Menschen zu ändern", und treibe sie in den Wahnsinn. Das Netzwerk, ergänzt Kleber, sei auf Konflikte angewiesen wie ein Vampir auf Blut.
Der optisch zum Teil sehr aufwändig gestaltete Streifzug durch die neue Welt ist ungemein informativ und stellenweise in der Tat derart erschreckend, dass selbst "dice Magier des 21. Jahrhunderts", wie Musk in einer Rede dice Absolventen des California Institute of Technology vor einigen Jahren bezeichnete, hoffentlich ins Grübeln kommen. Der Tesla-Dominate kommt bei Kleber und seiner Koautorin Angela Andersen allerdings vergleichsweise glimpflich davon.
Nur beiläufig weist der Film auf Musks stellenweise rechtsextrem klingendes Gedankengut hin; sein mittlerweile allerdings ohnehin wieder abgesagter Programme, mit Twitter den wichtigsten Kurznachrichtendienst zu übernehmen, wird gar nicht erwähnt. Auch Lanier hält Musk für weniger problematisch, denn dessen Geschäftsmodell basiere nicht auf Gehirnwäsche.
Horrorvision der unkontrollierten Künstlichen Intelligenz
Zum Feindbild haben Kleber und Andersen, deren bereits rund zwanzig Jahre währende Zusammenarbeit eine ganze Reihe sehenswerter Dokumentation hervorgebracht hat (darunter auch den Vorläufer "Schöne Neue Welt – Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt", 2016), Zuckerberg erkoren. Ginge es nach dem Unternehmer, der in seinen Internet-Ansprachen längst wie ein Avatar seiner selbst wirkt, würde sich unser Dasein in Zukunft weitgehend in seinem "Metaverse" abspielen. In dieser virtuellen Welt werden selbstverständlich alle Fäden bei einer Künstlichen Intelligenz (KI) zusammenlaufen. Während Zuckerberg das Metaversum als Paradies betrachtet, ist diese Vorstellung für Kleber wegen des enormen Einflusses auf das Denken und Handeln der Menschen eine Horrorvision; selbst Musk betrachtet Künstliche Intelligenz als "existenzielle Gefahr für dice Menschheit."
Vermutlich werden die Mahnungen dennoch verhallen: Die sogenannten Millennials sind mit den vermeintlichen Segnungen der Technologie aufgewachsen, ohne ihr mobiles Telefon sind sie, überspitzt formuliert, hilflos. Viele wird die Vorstellung, Computer-Chips könnten direkt in den Körper implantiert werden, daher womöglich eher entzücken als verstören. Der Fortschritt lässt sich erfahrungsgemäß ohnehin nicht aufhalten: Was möglich ist, wird auch umgesetzt.
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Armando Iannuccis Verfilmung des Klassikers von Charles Dickens ist in jeder Hinsicht herausragend. Ärgerlich deshalb die absurde Sendezeit. Der Film ist aber auch in der ARD-Mediathek abrufbar.
Vermutlich ist keine Person der jüngeren Zeitgeschichte derart über Jahrzehnte hinweg angefeindet worden wie Alice Schwarzer, die am 3. Dezember achtzig Jahre alt wird. Dice Verfilmung ist eine ausdrückliche Empfehlung unseres TV-Kritikers.
Source: https://www.evangelisch.de/inhalte/203576/19-07-2022/tv-tipp-utopia-irre-visionen-silicon-valley

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